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Zuspruch&Anspruch 2012

Zuspruch/Anspruch

Aller Augen warten auf dich, und Du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Du tust Deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.
(Psalm 145: 15 - 16)


Unser tägliches Brot gib uns heute.
( Matthäus 6: 11 )

Erntedank, Luther und die Euro-Krise

Zum Erntedankfest hier ein Auszug aus Luthers Erläuterung zur 4. Bitte im Vaterunser: „Unser täglich Brot gib uns heute" (Großer Katechismus):  

„Wenn du das tägliche Brot nennst und darum bittest, so bittest du um alles, was dazugehört, das tägliche Brot zu bekommen und zu genießen… Denn wenn Gott es nicht wachsen ließe, segnete und auf dem Lande erhielte, würden wir nie ein Brot aus dem Backofen nehmen noch auf den Tisch zu legen haben… Nun gehört zum Leben nicht bloß, daß unser Leib seine Nahrung und seine Kleidung und anderen Bedarf bekomme, sondern auch, daß wir in Ruhe und Frieden mit den Leuten auskommen, mit welchen wir leben und umgehen beim täglichen Handel und Wandel und in allerlei Beziehung; kurz, es gehört alles dazu, sowohl was die häuslichen Verhältnisse als auch was das nachbarliche bzw. bürgerliche Leben und Gemeinwesen angeht… Und da ist es wohl das Allernötigste, für die weltliche Obrigkeit und das Gemeinwesen zu bitten; denn durch diese erhält uns Gott unser täglich Brot und alle Annehmlichkeiten unseres Lebens am allermeisten…

So will uns Gott zeigen, wie er sich aller unserer Not annimmt und so treulich auch für unsere zeitliche Nahrung sorgt; und obwohl er dies auch den Gottlosen und schlechten Leuten reichlich gibt und erhält, so will er dennoch, daß wir darum bitten. Wir sollen anerkennen, daß wir es von seiner Hand empfangen und darin seine väterliche Güte gegen uns verspüren. Denn wenn er die Hand abzieht, so kann es doch nicht auf die Dauer gedeihen noch erhalten werden, wie man wohl täglich sieht und wahrnimmt. Was ist es zur Zeit (Luther schreibt dies 1529, also 483 Jahre vor dem Euro-Krisen-Jahr 2012) für eine Plage in der Welt allein mit der schlechten Münze, ja mit täglicher Beschwerung und Preisaufschlägen beim gewöhnlichen Geschäftsverkehr, beim Kauf und bei der Arbeit von seiten derer, die nach ihrem Belieben die liebe Armut drücken und ihr das tägliche Brot entziehen! Wir müssen das zwar leiden; sie aber mögen sich vorsehen, daß sie nicht die Fürbitte der Gemeinde verlieren, und sich hüten, daß dies Stücklein im Vaterunser sich nicht gegen sie wende."

[Band 1 der Calwer Luther-Ausgabe, Hänssler 1996]

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Die Ernte ist groß, aber es sind wenige Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende!
(Lukas 10: 2)



Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel, und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten.

Der HERR aber tat täglich hinzu, die gerettet werden sollten.

(Apostelgeschichte 2: 42 + 47)


„Kein Mensch baut die Kirche, sondern Christus allein. Wer die Kirche bauen will, ist gewiß schon am Werk der Zerstörung. Denn er wird einen Götzentempel bauen, ohne es zu wollen und zu wissen. Wir sollen bekennenEr baut. Wir sollen verkündigenEr baut. Wir sollen zu ihm betenEr baut.“ Diese Sätze Dietrich Bonhoeffers könnten eine Kurzpredigt über die ersten vier Kapitel der Apostelgeschichte des Lukas sein. Wir – als einzelne im persönlichen Gepräch und als Gemeinde in der öffentlichen Feier des Gottesdienstes und des Abendmahls - bekennen unsere Gemeinschaft mit Jesus. Wir – als einzelne und als Gemeinde – verkündigen „Jesus allein, allein aus Gnaden, allein durch den Glauben“ indem wir unbeirrt verharren in dem, was ER uns durch die Apostel als schriftliche Lehre weitergegeben hat - und zwar in allem was geschrieben steht. Wir – als einzelne und als Gemeinde – kommen im Gebet vor Seinen Thron und bitten Ihn, unser ärmliches Bekennen und unser bruchstückhaftes Verkündigen in brauchbares Baumaterial zu verwandlen, damit Sein Reich komme, in dem Sein Wille geschieht und Sein Name geheiligt werde. Leichte Wehmut erfaßt uns aber, wenn wir die von Lukas beschriebenen ’Baufortschritte’ vergleichen mit dem, was wir erleben. Könnte es sein, daß wir die Betonung überlesen, die der Geist Gottes in diesem Abschnitt auch auf das gemeinsame Gebet der Gemeinde legt. In jedem der ersten vier Kapitel der Apostelgeschichte lesen wir, daß die Glieder zum gemeinsamen Gebet zusammenkamen. Im 1. Kapitel (1,14 und 1,24) kommen sie noch vor dem Pfingstereignis zum gemeinsamen Gebet zusammen. Im 3. Kapitel (3,1) leuchtet uns auf, daß das in 2,42 betonte, gewohnheitsmäßige gemeinsame Gebet Frucht der jüdischen Wurzeln der Jünger ist, das sie nach Pfingsten nur wie gewohnt fortsetzen. Im 4. Kapitel (4,31-33) schildert uns Lukas die Antwort Gottes auf das Gemeindegebet in 4,24-30. Er antwortete der Gemeinde, indem Er sie mit Heiligem Geist erfüllte und „Seine Hand austreckte zur Heilung und Zeichen und Wundern, die durch den Namen Seines heilgen Knechtes Jesus geschahen“. Unser Vater im Himmel ist unverändert der Gleiche. Wie damals und zu allen Zeiten sucht Er, die Ihn gemeinsam im Geist und in der Wahrheit anbeten, die Ihn durch gemeinsames Bekennen ihres Unvermögens zur Offenbarung Seines Vermögens herausfordern, um dann gemeinsam zu erleben, wie „große Gnade auf ihnen allen war“ beim Bau der Gemeinde - die ER baut.   

RF

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Die Menge kam zusammen, wurde bestürzt  . . . und wunderte sich — wie hören wir sie von den großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden?
(Apostelgeschichte 2: 6 – 10)


Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war,
waren sie alle an einem Ort beisammen. …
Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt …

(Apostelgeschichte 2: 1 + 4)

Erfüllung ist das Stichwort, mit dem uns Gottes Wort Wendepunkte in Seinem Heilshandeln signalisiert. „Als die Zeit erfüllt war,  sandte Gott seinen Sohn“ schreibt Paulus den Galatern (4,4) und benennt hier den Wendepunkt überhaupt, auf den selbst die ’Welt’ ihre neue Zeitrechnung bezieht. Paulus greift damit die Worte auf, mit denen auch Jesus den Beginn seiner öffentlichen Wirksamkeit einleitet (Mk.1,15). Was genau aber ist es, das hier und jetzt in Erfüllung geht? Die Schreiber der Evangelien und besonders Matthäus lassen uns nicht im Dunkeln. Erfüllt wurde, “was geschrieben steht“, und den Emmaus Jüngern macht Jesus klar, daß alles zu erfüllen war (Luk. 24,44). Zu diesem “alles“ gehören aber nicht nur die Ereignisse selbst, sondern auch der Zeitpunkt ihrer Erfüllung. Da entdecken wir im Alten Testament erstaunliche Zusammenhänge. Paulus schreibt den Kolossern (2,16-17), daß auch die “Feste des Herrn“ (3.Mos.23,2) nur Schatten sind, die von Christus als dem eigentlichen Körper zeugen. Demnach ist am 10. Nisan (Palmsonntag) das Passahlamm in die Menschengemeinschaft aufzunehmen (2.Mos.12,3). Am 14. Nisan “zwischen den Abenden“ (Karfreitag) erleidet das Passahlamm den Opfertod (3.Mos.23,5). Zwei Tage später (Ostersonntag) hat der Hohe Priester Gott die “Erstlings-Garbe“ (der Früh-Gerste, 3.Mos.23,10-12) zu präsentieren, so wie Christus, der “Erstling der Entschlafenen“ (1.Kor.15,20) sich genau an diesem Tag dem Vater präsentiert (Joh.20,17;Hebr9,12+24). Fünfzig Tage später (Pfingsten) sind Gott die zwei(!) Erstlingsbrote aus der beginnenden Weizenernte zu präsentieren (3.Mos.23,16-20). Genau an diesem Tag präsentiert Gott der Welt – auch der himmlischen (Eph.3,10) - die Gemeinde, den ’Leib Christi’, als Erstlingsfrucht (Jak.1,18), damit sie die „großen Taten Gottes“ bezeuge. So können wir rückblickend staunend beobachten, wie genau Gott auf die Erfüllung achtet dessen “was geschrieben steht“ — damit unser Vertrauen auf sein gutes Regiment gefestigt werde und unsere Hoffnung, daß auch das noch erfüllt werden wird, was an den “Festen des Herrn“ noch aussteht (3.Mos.23,23-39). Besonders das dritte der drei großen Wallfahrstfeste, das Laubhüttenfest als Fest der Ernte zum Abschluß des Erntejahres (2.Mos.23,16), wird erfüllt  sein, wenn alle Nationen jährlich in Jerusalem am Laubhüttenfest den Herrn anbeten (Sach.14,16-19). Vollständig erfüllt werden Gottes Absichten nach dem Laubhüttenfest, am 8. Tag - dem abschließenden Tag der Ruhe (3.Mos.23,39; 4.Mos.29,35). Darauf dürfen und wollen wir uns jetzt schon freuen, weil auch das, wie immer bei Gott, erfüllt sein wird: alles! – genau! – zu Seiner Zeit!

RF

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„Mein Herr und mein Gott!“
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Thomas, du glaubst, weil du mich gesehen hast; glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben!“
(Johannes 20: 28-29; Schlachter)



Wenn wir aber mit Christus gestorben sind,
so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden.

(Römer 6: 8)


Es ist die frohmachende Botschaft des Beginns von Römer 6, daß jener übermenschliche Machtkomplex, die "Sünde" , jeglichen Rechtsanspruch gegen mich durch den Tod  Jesu  grundsätzlich verloren hat, so wie auch jeder irdische Rechtsanspruch gegen mich an meinem Grab ins Leere greift. Der Rechtsanspruch der "Sünde"  wird abglöst durch den Rechtsanspruch  Jesu , in dessen Tod ich durch den Glauben mit hineingenommen bin und durch den auch ich für den Machtkomplex "Sünde" gestorben bin. In diesem Sinne bin ich „der Sünde" gestorben“ auch wenn „der Leib der Sünde“ durch die adamitische Erbmasse mir noch viel zu schaffen machen kann. Wer mit  Christus  gestorben ist, der ist in diesem Sinne rechtskräftig von der "Sünde" gelöst. Das ist kein inner-seelischer Vorgang oder gar das Ergebnis meiner ’Heiligungsbemühungen’ sondern ein von  Gott  selbst auf Golgatha geschaffener, einmaliger geschichtlicher Tatbestand. Alles, was im Tod  Jesu  geschah, trifft mich, als wäre ich selbst dort gestorben. Das ist die frohe  und befreiende Kunde - soweit es meine Vergangenheit betrifft. Wir sind aber nicht nur mit  Christus  gestorben, sondern auch mit  Christus  auferstanden (Kol3,1-4)! Durch das Leben  Jesu  wird auch uns eine neue Existenz bereitet (2Kor5,17). Obwohl wir noch so vielfältig die Alten sind, ist dennoch in  Christus unsere ganze Situation neu geworden. So gewiß der Tatbestand unseres „mit  Ihm  Gestorbenseins“ gültig ist, so wird aber auch der Tatbestand der Auferstehung Jesu sich auf der ganzen Linie in unserem Leben auswirken. Das geschieht in Etappen. Wir werden von einer Klarheit zur anderen verwandelt hinein in das Bild  Jesu , als vom  Herrn , der Geist ist (2Kor3,18). Und das letzte – zumindest irdische - Etappenziel? Wir werden beim  Herrn  sein allezeit – endültig verwandelt in  sein  Bild (1Joh3,2). Unser Leben in  Christus  wird durch unser Sterben nicht unterbrochen (Phil1,23) – so wie wir auch den Tod als gottfeindliche Macht nicht sehen werden (Joh8,51). Unaussprechliche Freude (1Petr1,8) ist nur eines der Merkmale dieses letzten irdischen Etappenziels, gleichgültig ob wir es bei der Entrückung als die Ersten oder noch in diesem Leibe erreichen werden. Erreichen werden wir es – aus Gnaden – denn: Es ist vollbracht!

RF (nach E. Schnepel, Die  Chance des Lebens)

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Vater , die Stunde ist gekommen.
Verherrliche deinen Sohn,
damit der Sohn dich verherrliche.
(Johannes 17: 1)


Jesus aber antwortet ihnen und spricht:
Die Stunde ist gekommen,
daß der Sohn des Menschen verherrlicht werde.
(Johannes 12: 23)


Unter den Volksmassen, die sich zum Passahfest in Jerusalem versammelten, fanden sich wie jedes Jahr auch zahlreiche Nicht-Juden. Durch das Zusammenleben mit Juden in der Zerstreuung hatte sie eine Ahnung von und eine Sehnsucht nach dem Gott dieser jüdischen Außenseiter erfaßt. Diesem Gott wollten sie durch die Wallfahrt nach Jerusalem begegnen. Auch bis zu ihnen sind die Gerüchte über diesen Rabbi aus Galiläa gedrungen, der durch seine vollmächtigen aber auch ’provokativen’ Reden - bekräftigt durch atemberaubende Wundertaten (Zeichen nennt sie Johannes absichtsvoll) Jerusalem in erwartungsvolle Erregung versetzte. Als “Sohn Davids“, das heißt als designierten Thronfolger, hatten ihn die Volksmengen am ersten Tag dieser Woche proklamiert wie auch Tage zuvor der blinde Bartimäus in Jericho. Als Bürger des römischen Imperiums hatten sie eine lebhafte Vorstellung von der Glorie, mit denen seine Beherrscher sich umgaben. Auch die Zeugnisse des AT von der Pracht und Herrlichkeit Salomos, des berühmtesten “Sohnes Davids“, waren ihnen vertraut. Vergleichbares – wenn nicht Großartigeres - suchen sie jetzt auch bei DEM Sohn Davids, nach dessen ’Verherrlichung’ die Volksmenge fiebert. Ihnen wie auch immer wieder uns muß Jesus die Maßstäbe auf das göttliche Maß zurechtrücken. In der Stunde seiner und des Vaters Verherrlichung offenbaren die beiden ihr herrliches Wesen auf eine Weise, die zu diesem Zeitpunkt weder die Jünger noch die Festpilger erfassen können. Bis zum heutigen Tag erregt dieser für alle Zeitgenossen unsäglich schimpfliche und grauenvoll grausame Tod am Kreuz den Abscheu und Widerwillen des natürlichen Menschen. Es ist ihm unmöglich, genau in diesem Skandal und in dieser Torheit die alles andere in den Schatten stellende Offenbarung des herrlichen Wesens Gottes zu erkennen: Seine Gerechtigkeit, Seine Weisheit, Seine Heiligkeit und – alles überragend – Seine Retterliebe. So wurde es schon im Namen Jesus als Programm proklamiert und vom Täufer verkündet: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Nirgends und niemals erstrahlt die Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes heller als hier, in dieser Stunde. Lassen wir uns durch keine anderen ’Herrlichkeiten’ blenden!

RF

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