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Zuspruch&Anspruch 2014

Zuspruch/Anspruch

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden
Ströme lebendigen Wassers fließen.
(Joh. 7:38)


Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus;
Gott  ist unsre Zuversicht.
(Psalm 62: 8)

Ihr, denen er seine Liebe geoffenbart hat, laßt auch euer Inneres vor ihm offenbar werden. Er hat sich euch ganz hingegeben; haltet ihr nun auch nichts vor ihm zurück. Wie wenn man ein volles Gefäß umkehrt und ausschüttet, so laßt eure innersten Gedanken, eure tiefsten Wünsche, eure geheimsten Kümmernisse, eure verborgensten Sündenschmerzen sich wie Wasser ergießen in seiner heiligen Gegenwart. Verberget nichts vor ihm; ihr könnt ja doch nichts vor ihm verhüllen. Entladet eure Seele vor dem HERRN; er sei euer rechter Beichtvater, er allein kann euch ja auf euer Bekenntnis hin wirklich absolvieren. Wollten wir unsern Kummer für uns behalten, so hieße das nichts anderes, als einen Haufen Elend aufstapeln. Dämmst du den Strom ein, so wird er nur anschwellen und desto schrecklicher durchbrechen; läßt du ihm aber sein richtiges Bett, so fließt er ruhig dahin und stiftet keinerlei Schaden. Wir bedürfen herzinniger Sympathie; schütten wir Jesus unser Herz aus, so finden wir bei ihm eine Teilnahme, die ebenso wirksam wie aufrichtig, ebenso tröstend wie belebend und erhebend ist. Es ist, wie jemand bemerkt, eine üble Gewohnheit unserer Natur, auf den Zaum zu beißen und unsern Kummer verdrießlich in uns zu verbergen; eine begnadigte Seele überwindet aber diesen bösen Hang und leert ihre Sorgen und Kümmernisse im Gebet vor dem HERRN aus.

    Charles Haddon Spurgeon


Fehlet euch etwas, wohlan, da ist guter Rat, schüttet euer Herz vor ihm aus, klagt’s nur frei, verberget ihm nichts. Es sei, was es wolle, so werft’s mit Haufen vor ihn, als wenn ihr euer Herz einem guten Freunde ganz und gar eröffnet. Er hört’s gerne, will auch gerne helfen und raten. Scheuet euch nicht vor ihm und denket nicht, es sei zu groß oder zuviel. Getrost heraus, und sollten’s eitel Säcke voll Mangel sein. Alles heraus, er ist größer und vermag und will auch mehr tun, denn unsere Gebrechen sind. Stückelt’s ihm nur nicht, er ist nicht ein Mensch, dem man könnte zuviel Betteln und Bitten vortragen. Je mehr du bittest, je lieber er dich höret. Schütte nur rein und alles heraus, tröpfle und zipple nicht. Denn er wird auch nicht tröpfeln und zippeln, sondern mit Sintflut dich überschütten.  

Martin Luther

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HERR, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weislich geordnet,
und die Erde ist voll deiner Güter.


(Psalm 104: 24)

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit.  
Du tust deine Hand auf und erfüllst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.

(Psalm 145:15-16)


1.  Ich singe dir mit Herz und Mund, ‘ Herr, meines Herzens Lust;
ich sing und mach auf Erden kund, ‘ was mir von dir bewußt.
2.  Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad ‘ und ewge Quelle bist,
daraus uns allen früh und spat ‘ viel Heil und Gutes fließt.
3. Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd,
das uns, o Vater, nicht von dir
allein gegeben werd?
4.  Wer hat das schöne Himmelszelt ‘ hoch über uns gesetzt?
Wer ist es, der uns unser Feld ‘ mit Tau und Regen netzt?
5.  Wer wärmet uns in Kält und Frost? ‘ Wer schützt uns vor dem Wind?
Wer macht es, daß man Öl und Most ‘ zu seinen Zeiten find't?
6.  Wer gibt uns Leben und Geblüt? ‘ Wer hält mit seiner Hand
den güldnen, werten, edlen Fried ‘ in unserm Vaterland?
7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du mußt alles tun,
du hältst die Wach an unsrer Tür
und läßt uns sicher ruhn.
8.  Du nährest uns von Jahr zu Jahr, ‘ bleibst immer fromm und treu
und stehst uns, wenn wir in Gefahr ‘ geraten, treulich bei.
12.  Du füllst des Lebens Mangel aus ‘ mit dem, was ewig steht,
und führst uns in des Himmels Haus, ‘ wenn uns die Erd entgeht.
13. Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut!
Dein Gott, der Ursprung aller Ding,
ist selbst und bleibt dein Gut.
16.  Hat er dich nicht von Jugend auf ‘ versorget und ernährt?
Wie manches schweren Unglücks Lauf ‘ hat er zurückgekehrt!
17.  Er hat noch niemals was versehn ‘ in seinem Regiment,
nein, was er tut und läßt geschehn, ‘ das nimmt ein gutes End.
18.  Ei nun, so laß ihn ferner tun ‘ und red ihm nicht darein,
so wirst du hier im Frieden ruhn ‘ und ewig fröhlich sein.

Paul Gerhardt

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Und Gott sprach:
Laßt uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich!  …    
Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild,
nach dem Bild Gottes schuf er ihn;
als Mann und Frau schuf er sie.

(1.Mos. 1:26-27)



Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.
(Offb. 21:3)



Ich muß eine Säule formen - und ich einen Bogen, antworten stöhnend zwei Steinmetze auf die Frage: was machst Du? Ein dritter, der einen schlichten Mauerstein auf Maß bringt, antwortet fröhlich: Ich baue an einem Dom, ich habe den Plan gesehen! Wie er können auch wir uns erfreuen an der großartigen Perspektive, die uns Gott in Seinem Wort offenbart. Wie der Baum des Lebens in 1.Mos. 2 und in Offb. 22, so bildet in Offb. 21 auch das Zelt - als Symbol der Gemeinschaft - eine Klammer, die den unwandelbaren Vorsatz des Schöpfers bekräftigt, den  Er  in 1.Mos. 1:26-28 proklamiert hat:  Er  erschafft uns als Sein Gegenüber, mit dem  Er  Wohn-Gemeinschaft sucht. Die Gemeinschaft des vertrauten Gesprächs "in der Kühle des Tages" (1.Mos. 3) wurde durch unseren Sündenfall jäh zerrissen - aber Seinen erklärten Schöpferwillen sollte selbst dieser Fall nicht dauerhaft vereiteln. Das "Zelt Gottes bei den Menschen" kam erstmals mit dem "Zelt der Begegnung" (2.Mos. 27:21) zu den ’Steinmetzen’, mit denen  Er  Seine Pläne durchführt. Die vertraute Nähe blieb hier neben Mose, mit dem  Er  wie mit einem Freunde Zwiesprache hielt, nur einem vorbehalten, dem Hohenpriester als Stellvertreter, und das nur einmal im Jahr und unter dem Schutz des Blutes des Opfertiers. Die Auserwählten bewahrte die Umzäunung vor einer Nähe, die Gottes Heiligkeit nicht zuließ. Erst als der trennende Vorhang mit Jesu ’Siegesschrei’ zerriß und der Kreis der Auserwählten auf uns erweitert wurde, wurde für alle der Zugang zum Gnadenthron wieder frei. Da wo wir diesen freien Weg auch wirklich gehen, nämlich im Gebet, folgen wir schon heute so vollkommen wie sonst nie den Heilsabsichten Gottes. Schon heute ist uns damit mehr geschenkt, als Moses je erleben durfte.  Jesus , der Immanuel, in dem Gott die größtmögliche Nähe zu uns wieder hergestellt hat, hat uns bevollmächtigt, das Zwiegespräch als Kinder zu suchen, auf die der Vater geradezu wartet. Kein denkbarer Segen kann das übertreffen, was Gott uns in dieser Zwiesprache schenken kann. Seiner Gemeinde, der Verkörperung  Jesu  in dieser Zeit (seinem Leib), hat  Er  darüber hinaus versprochen, Offenbarung 21:3 schon heute - im gemeinsamen Gebet - Wirklichkeit werden zu lassen: "wo zwei oder drei … da bin ICH mitten unter ihnen". Wieviel ’Himmel’ können wir erleben, wenn wir dieses Angebot ausgiebig nutzen – einzeln und besonders als Gemeinde.   

RF


* * *


Ich aber sage euch:
Liebt eure Feinde,
und betet für die, die euch verfolgen.


(Mat 5:44)


Dein Reich komme!
(Matth. 6:10)


Wie vor Kreuz und Auferstehung stand das „Königreich der Himmel" auch in den letzten 40 Erdentagen im Mittelpunkt von Jesu Lehre und im Interesse seiner Jünger (Luk 24, Apg 1). Der Horizont der Jünger war dabei auf Israel beschränkt, und auch unsere Perspektive umfaßt wohl nur bruchstückhaft, was uns in der Bibel dazu offenbart wird. Die Herrschaft Gottes über seine Schöpfung  (Röm 8:19-23) – vermittelt durch uns, den ’ersten Adam’ – erreicht ihr vorläufiges Ziel in Offb 22:3-5, wobei für uns Röm 8:29, 1.Joh 3:2, 2.Petr 1:4 wohl schon das Endziel, die Vollendung beschreiben dürfte. Das endgültige Ziel zeigt uns Paulus in 1.Kor 15:23-28, ohne daß wir das „Gott Alles in Allem" wirklich begreifen. Aber nicht nur in Seine zukünftigen Absichten läßt Gott uns blicken. Seine Pläne schon seit der fernsten Vergangenheit läßt Er uns wissen in Eph 1:4, 2.Tim 1:9-10, 2.Thess 2:13. Schon Sein erster Herrschaft-Auftrag an uns „macht euch die Erde untertan" (1.Mos 1:28) zeigt uns, daß Er uns an der Aufrichtung seiner Herrschaft beteiligen will. Hier enthält die eigentliche hebräische Wortbedeutung den Hinweis, daß das mit Kampf verbunden ist. Aber wie sollen wir kämpfen, wie ’kämpft’ Gott? Ja, Seine Erwählten verteidigt Er immer mal wieder, indem Er die ’Kräfte der Natur’ gegen die Bedränger kämpfen läßt (z.B. Psalm 18). Diese äußeren Gewalten aber verblassen gegenüber der inneren ’Urgewalt’, die Seinem Herzen entspringt. Nicht seine unbegrenzte Schöpfermacht, sondern Seine in Jesus, dem ’zweiten Adam’, verkörperte Liebe ist das Dynamit, das die Feindschaft niederreißt, die uns von Ihm trennt. In Gethsemane, auf Golgatha hat Er sie uns vorgelebt, und für die Apostel war es klar: für unsere Beteiligung an der Aufrichtung Seiner Herrschaft wird uns in der Nachfolge Jesu der gleiche Weg gewiesen – Leiden, um Andere zu retten (Kol 1:24, Phil 1:29, 2:17, 3:10, 1Petr 4:12-13). Wie Jesus ist aber auch uns der Blick auf die vor uns liegende Freude geschenkt (Hebr 12:2), die nach der Vollendung Seiner Pläne alles Schwere verblassen lassen wird (2.Kor 4:16-18). Seit Weihnachten-Karfreitag-Ostern-Pfingsten können wir endgültig wissen, wie Er seine Herrschaft aufrichtet, aber auch daß Sein Reich kommen wird.  

Freuen wir uns darauf !   

RF

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Der Gottlose … kehre um zu dem  Herrn , so wird
er sich über ihn erbarmen, und zu unserem Gott,

denn  Er  ist reich an Vergebung!


(Jesaja 55:7)



Wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt,  so wird euer Vater eure Vergehungen auch nicht vergeben.
(Matth.6:14-15)


Das ist eine harte Rede, möchte ich spontan mit den Zuhörern in Joh.6:60 sagen, wenn ich diese Worte aus  Jesu  Bergpredigt höre. Er hat sie zur Bekräftigung der fünften Bitte des  Vater Unser  unmittelbar daran angeschlossen, um diesen Pflock unverrückbar einzuschlagen. Selbst wenn es mir gelänge, da noch wegzuhören, stößt  Jesus  seine Jünger und mich im Gleichnis vom Schalksknecht noch ein weiters mal auf diesen ’unangnehmen’ Zusammenhang (Matth. 18:21-35, siehe auch Luk.17:4). Jesu Bruder Jakobus denkt sicher auch an diese Worte, wenn er von dem unbarmherzigen Gericht schreibt, dem die Unbarmherzigen entgengehen (Jak.2:13). Stoße ich hier gegen eine Mauer, die den "Über-Überstrom der Gnade" (Röm.5:20b) aufhalten könnte? NEIN, soweit es Gottes Herz angeht! JA, soweit es mein Herz angeht! Nachdem das als Sein Ebenbild geschaffene Geschöpf aus der Lebensgemeinschaft mit Gott gefallen war, hatte Gottes unbedingter Wille zu dieser Gemeinschaft Ihn zu der bedingungslosen "Vorleistung" auf Golgatha getrieben. Nur durch Golgatha wurde die Gemeinschaft zwischen dem  Heiligen  und dem Sünder wieder möglich. Weil Gott diese Gemeinschaft als eine Herzens-, eine Wesensgemeinschaft (Röm.8:29, 1.Joh.3:2, 2.Petr.1:4) sucht, setzt dies – man könnte sagen logischerweise – ein wesenmäßig gleiches Herz auf beiden Seiten voraus, damit aber zwangsläufig  auch bei mir gegenüber meinem Schuldner. Dieses Herz kann ich nur als Wunder der Gnade empfangen, aber die göttliche Liebe wartet auf mein Ja zum Empfang dieses Geschenks, da Zwang mit dem Wesen der Liebe unvereinbar ist. Ein Herz, das durch dieses Wunder gemeinschaftsfähig wurde, hört die "harten Worte" nicht mehr als Forderung und Drohung. Es hört sie als Beschreibung einer Wirklichkeit, die durch das Wunder geschaffen wurde und – in Christus - immer neu wird, das z.B. David mit seiner Bitte um ein neues Herz ersehnte und das ihm auf das schlichte Bekenntnis seiner Schuld widerfuhr.   

RF

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Der  Herr , mein Gott, erhellt meine Finsternis.
(Psalm 18: 29 Elberfelder)



Mir aber ist die Nähe Gottes köstlich.
(Psalm 73: 28 - Schlachter)

… das bekennt Asaph als seinen letzten, tiefsten Trost angesichts des sichtbaren Wohlergehens des Gottlosen in dieser Welt. Nur im Heiligtum, in Gottes Nähe, werden die Dunkelheiten seiner äußeren Erfahrungswelt für ihn erträglich. Aber was ist mit den Dunkelheiten in ihm – in mir! -  selbst? Sind sie nicht der Grund, warum die Nähe Gottes mir eigentlich verwehrt ist? Wohnt  Er  nicht in einem Licht, da niemand hinzutreten kann (1Tim6,16)? Wußte Asaph nichts von dieser Dunkelheit in ihm - so wie David es wußte, der sich von Gott nicht nur aus den äußeren Finsternissen herausgerettet wußte, die er in Psalm 18 beschreibt? Asaph, wie David oder Micha (7,18), wußte um die Gnade der Vergebung, die ihm erlaubte, immer wieder - aus jeder Finsternis - in die Nähe Gottes zu flüchten. Sie alle konnten aber nur ahnen, daß Gott selbst diese Nähe zu seinen gefallenen Geschöpfen sucht - und wie unbegreiflich kostbar  Ihm  diese Nähe zu uns ist. Den Preis, den  Er  zu zahlen bereit war, um die Finsternis unserer Sündennacht durch  Sein  Licht zu vertreiben, werden wir voll erst – vielleicht - in der Ewigkeit erfassen können. Das Licht, das die heidnischen Magier nach Judäa und das die als verlorene Sünder geächteten Hirten zur Krippe führte, war nur ein vorweggenommener Abglanz. Es war Widerschein desjenigen Lichtes, das vom Kreuz aus die grenzenlose Tiefe der Finsternis ausleuchtete, in der wir gefangen sind. Die Niedrigkeit in der Krippe ließ aber auch schon den grenzenlosen Willen Gottes aufleuchten, dieses Hindernis für die Gemeinschaft zwischen  Ihm  und uns aus der Welt zu schaffen. Unsere Sprache hat kein wirklich zutreffendes Wort für dieses Wesen Gottes, das bereit war, in  Jesus  Teilhaber unserer Finsternis zu werden und damit gleichzeitig am Kreuz die Trennung zu durchleiden, die die Unvereinbarkeit  Seiner  Heiligkeit mit unserer Finsternis erzwingt. Wenn uns Johannes diesen Kern des Wesens Gottes offenbart mit den Worten „Gott ist Liebe", dann kann unser in sich verkrümmtes Herz den Inhalt dieser Worte nur ahnen, wenn es das Licht einläßt, das von Golgatha aus die Welt erhellt. Wirklich "erkennen" werden wir ihn erst im neuen Jerusalem, wo jede Spur der Finsternis im Lichte der ungetrübten Gemeinschaft mit Gott und dem Lamm verflogen sein wird. Wenn Gottes Schöpfungsabsichten zum Ziel gekommen sind, daß wir Seinem Ebenbild – d.h. Jesus! - gleich sein werden, dann werden die Worte Asaphs ungebrochene, dauerhafte Wirklichkeit sein.       

RF

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